Siebzigster Einwurf des Ziegelbrenners

Der „Dieser Einwurf ist garantiert nicht KI-generiert“-Einwurf

Liebe lesende Gemeinde,

bevor ich zum Schwerpunktthema komme möchte ich auf die zwei neuesten Ziegelbrenner-Publikationen hinweisen!

Da ist zum einen meine neueste Corona-Publikation „Virus essen Seele auf – Corona: Eine Aufarbeitung findet (nicht) statt“ (mein letztes, wie ich bei aller Bescheidenheit finde immer noch lesenswertes und anregendes Buch zum Thema ist schon fünf Jahre her). Ja, aber interessiert das heute noch jemanden? Und sollte diese leidige Thematik heute überhaupt noch jemanden interessieren? Ersteres wird sich zeigen, zur zweiten Frage: ein entschiedenes JA. Einige Gründe hier stichwortartig:

  1. Mit den Pandemie-Maßnahmen wurde ein grundrechtebeschränkendes Exempel statuiert, dass sich, da weitestgehend akzeptiert, beim nächsten ausgerufenen „Notstand“ zu wiederholen droht.
  2. Insbesondere die vormals gesellschafts- und herrschaftskritischen linken Milieus haben ihre Funktion als Korrektiv ohne Not selbst aufgegeben, so dass die Frage nach dem „Warum?“ ebenso wichtig wie die Frage nach dem „Und nun?“ dringlich ist. Die Preisgabe linker Prinzipien ist denn auch ein Schwerpunkt des Buches.
  3. Ein großer Teil des linken Spektrums erging sich in pauschalen Schuldzuweisungen (z.B. die Mär von der „Impfverweigerung wegen der deutschen Romantik“), die teils erschreckende Ähnlichkeiten mit den kritisierten – vermeintlichen oder realen – rechten Verschwörungsmythen aufwiesen, was ideologiekritisch aufgearbeitet werden muss.
  4. Viele Folgen der Pandemie wirken bis heute fort, so die Auswirkungen der massiven Beschränkung der Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen und eine weitreichende gesellschaftliche Polarisierung.
  5. Filterblasen machten viele von uns zu Medienjunkies, die dem täglichen Stakkato von Inzidenzzahlen und „Faktenchecks“, die oft eher Teil von Desinformation waren, erlagen. Die Folge war eine ausufernde, fatale Selbstentmündigung, die die Entscheidung über das eigene Leben einigen wenigen omnipräsenten „Experten“ überließ (was nebenbei auch von einem fragwürdigen Wissenschaftsverständnis zeugte).
  6. Nicht zuletzt führt ein gerader Weg vom „Krieg gegen das Virus“ geradewegs in die neue „Kriegstüchtigkeit“, aufgrund eines als „Retter“ missverstandenen Staates sowie als Folge eines gesellschaftlich weitgehend durchgesetzten Autoritarismus, der zudem auch noch die Rechten bestärkt.
  7. Eine Krisenvorbereitung, die einst noch als Merkmal von Verschwörungsglauben galt (Notvorräte anlegen, Bunker bauen, mentale Kriegsvorbereitung schon in den Schulen durch zunehmende Bundeswehr-Präsenz etc.) wird bedenkenlos akzeptiert, ohne nach den Gründen einer Politik zu fragen, die solches erst zur vermeintlichen Notwendigkeit werden lässt.

Diese und weitere bedenkliche Entwicklungen drohen sich weiter zuzuspitzen, wenn keine Lehren aus der Pandemiepolitik und den Verhaltensweisen eines großen Teils der Bevölkerung gezogen werden. Eine gesellschaftliche Aufarbeitung (auf eine offizielle politische Aufarbeitung setze ich keine Hoffnungen, das ist auch nicht Thema des Buches) ist eine Grundvoraussetzung zur Wiedererlangung von Autonomie, Mündigkeit und emanzipatorischer Handlungsfähigkeit.

Ein anderes Herzensprojekt von mir ist die Neuausgabe der antimilitaristischen, erstmals 1907 erschienenen Tarnschrift „Nieder mit der Disziplin! Hoch die Rebellion! – Anarchistische Soldaten-Agitation im Deutschen Kaiserreich.

Der Titel zeigt es an: dieses Buch führt weit zurück in der Geschichte des anarchistischen Antimilitarismus. Die Tarnschrift erschien damals mit dem bewusst irreführenden Titel „Das Soldaten-Brevier“ (mit schwarz-weiß-rotem Umschlag und Kaiserzitat), sie war ein Pamphlet, das erhebliche Unruhe in den Militärapparat trug und zugleich selbst noch ein Motiv in den 1910er Jahren zum Überfall von Lohnboten durch Anarchisten in Bremen war – man brauchte Geld, um den Nachschub des antimilitaristischen Materials zu finanzieren.

Herausgeber Ulrich Bröckling hat für diese Neuausgabe eine umfassende und kenntnisreiche Einleitung zum damaligen antimilitaristischen Kontext dieser Schrift – u.a. auch den Auseinandersetzungen mit der damaligen Sozialdemokratie – geschrieben, dass fast den halben Buchumfang einnimmt. Bröckling forschte u.a. zu Desertion und zur Soziologie und Geschichte militärischer Gehorsamsproduktion forschte, er ist also – im besten Sinne – ein Experte des historischen Rahmens der Militärkritik.

Heute stimmt diese Schrift nostalgisch, denn sie geht weit über das hinaus, was Friedensbewegungen etwa der 1980er Jahre – und selbst diese sind längst schon Geschichte – praktizierten. Denn um 1910 wurde erstens der Widerstand direkt in die Kasernen selbst getragen, zweitens in einer seither nicht mehr erreichten Konsequenz der Funktionskern der Militärapparate – Befehl, Gehorsam und Disziplin – offengelegt und angegriffen und drittens nicht nur gegen Rüstungsindustrie und Rüstungsexporte demonstriert, sondern ein Augenmerk auf jene gelegt, die diese Waffen erst produzieren: die lohnabhängig Beschäftigten, die Arbeiterklasse. Eben die Erinnerung an diese heute fast verschüttete antimilitaristische Tradition macht diese Neuausgabe so wichtig.

Das Buch erschien in der von Ulrich Bröckling betreuten Ausgabe erstmals 1988 und wurde für diese Neuausgabe mit einem neuen Vorwort und einer überarbeiteten Einleitung versehen. Vor dem aktuellen Hintergrund der ausgerufenen „Kriegstüchtigkeit“ ist es dieses Zeugnis vom „radikalen Geist des Ungehorsams und der Verweigerung“ (Ulrich Bröckling) heute wert, wieder in Erinnerung gerufen zu werden.

Ich freue mich über reichlich Bestellungen dieser beiden Publikationen, aber auch über Support in den „sozialen Medien“. Instagram, Whatsapp, TikTok, Twitter/ X, Telegram, Signal & Co. finden ohne mich statt – selbst wenn ich wollte (siehe dazu meine untenstehende KI-Kritik) schaffe ich es schlicht nicht, diese ganzen Kanäle zu bedienen.

Ebenso wichtig sind nachdrückliche Empfehlungen an Buchhandlungen und Bibliotheken, damit meine Buchtitel ein klein wenig mehr Öffentlichkeit erreichen, als es mir mit meinen begrenzten Mitteln möglich ist.

Last but not least: beide Bücher sind exklusiv bei mir erhältlich – nicht im Amazon-Shop!

Nun aber zum eigentlichen Thema. Was ist eigentlich das Problematische an der „Künstlichen Intelligenz“?

Da das Thema so umfassend ist, dass sich dazu ganze Bücher schreiben lassen (einige sind dazu schon erschienen, so etwa der „Atlas der KI“), weshalb ich mich hier abermals auf eine eher stichwortartige Aufzählung beschränken muss – denn: wer liest heute noch dermaßen laaange Mails???

  1. Die KI wird noch gar nicht hinreichend begriffen, aber schon in die Welt gesetzt, was fatale Irrtümer mit sich bringt. So wird die KI von vielen Menschen als irgendwie „klügerer Mensch“ betrachtet. Dieser Anthropomorphismus (=Zuschreiben menschlicher Eigenschaften gegenüber nicht menschlichen Wesen) sorgt für Idealisierungen, ja eine regelrechte Sakralisierung: die KI wird zum Übermenschen. Dabei gerät aus dem Blick, dass die KI nicht im menschlichen Sinne „denkt“ (sei es rational oder irrational), sondern lediglich zu Schlüssen aufgrund ausgewerteter Daten kommt. Mustererkennung statt Kontextualisierung – zu befürchten ist, dass sich die Menschheit im KI-Regime nicht weiter-, sondern zurückentwickelt.
  2. Das die KI nur so gut sein kann wie die Daten, mit denen sie gefüttert werden, führt zu einem weiteren Problem: Polarisierungen und Rassismen werden von der KI schließlich nicht bewertet, in einem entsprechenden Umfeld (sowohl grundlegend gesellschaftlich wie auch mit Blick auf die vielfach ultrarechten KI-Entwickler) werden diese Phänomene also absehbar zunehmen und sich fortlaufend reproduzieren. Denn „unparteiisch“ oder gar „objektiv“ ist, auch wenn anderes uns eingeflüstert wird, nichts an der KI, sie „lernt“ ja gerade anhand der Daten einer falschen, ungerechten, diskriminierenden Gesellschaft: wenn es weniger Frauen in Führungspositionen sind, dann sind diese offenbar unfähiger. Fragwürdige Kategorisierungen und Ungleichheiten werden so zementiert. Hinzu kommt: alle a-sozialen Medien, auch die KI-generierten, sind aufgrund ihrer Funktionsweise der Tendenz nach Hassverstärker (auch wenn sich natürlich hier und da andere Inhalte einspeisen lassen könnten): sie übertragen die Barbarei öffentlicher Hinrichtungen ins 21. Jahrhundert.
  3. In der Herrschaft der ebenso undemokratischen wie unkontrollierbaren Algorithmen wird die KI zu einem lupenreinen Manipulationsinstrument, dazu geschaffen, uns mit jenen Inhalten zu bedienen, die wir doch angeblich haben wollen – und die Menschen dabei zugleich in einer Blase gefangen zu halten, die schon jetzt bestehende Filterblasen potenziert. Das Heimtückische an der KI ist nämlich auch, dass sie unser (Nutzungs-)Verhalten formt – nicht umgekehrt. Neue Anregungen, Entdeckungen und Abschweifungen, gar Widerspruch sind darin nicht vorgesehen: die erwünschte Wahrnehmung wird mit Wirklichkeit verwechselt. Die KI ist die einer autoritären, formierten Gesellschaft adäquate Technologie. Anders gesagt: die KI ist dazu geschaffen, Menschen zu betäuben, denkunfähig zu machen und zu disziplinieren.
  4. Die KI forciert Überwachungsmöglichkeiten auf allen Ebenen, was den totalitären Charakter unterstreicht: vom Tracking über die Gesichtserkennung und die umfassende Kontrolle im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz bis zu globalen Bewegungsprofilen via Drohnen. Wer sich dem so gut es noch geht zu entziehen versucht macht sich verdächtig (mit der Corona-Warn-App fing es an…). In der KI-Gesellschaft wird Widerspruch einer Kriegserklärung gleichkommen. Nebenbei bemerkt: eine zentrale Frage sollte auch hier „wem nutzt das?“ sein. Warum wohl trachten die Regierungen nach „volldigitalen“ Ländern? Und die Tech-Konzerne… – hey, its capitalism, stupid!
  5. Durchgesetzt wird die KI mit allerlei Versprechungen, die allesamt nicht haltbar sind. Ein Beispiel ist die Akzeptanzbeschaffung mit dem Hinweis, die KI ermögliche ein „klimaschonenderes Wirtschaften“, da sie auf Einsparpotenziale aufmerksam machen könne. Ja – bloß wieviel Potenzial muss da erst ausgeschöpft werden, bevor der enorme Energiehunger, den die KI selbst als purer Klimakiller mit sich bringt, auch nur erstmal amortisiert wird? Auch Kriege werden durch den „zielgerichteten“ KI-Einsatz nicht etwa humaner – sie werden sogar wahrscheinlich häufiger werden, da Hemmschwellen sinken, sich Ziele schneller markieren lassen und die Kriegsführung insgesamt „effektiver“ wird. Ein Angriff ist nicht mehr eine Entscheidung von Militärs, sondern das Ergebnis von Berechnungen der Maschinen.
  6. Weil die KI doch scheinbar so wunderbar effizient ist, wird der Digitalzwang, der schon jetzt einen Vorhang um die Menschen spinnt, weiter zunehmen. Die sich schon abzeichnende Zukunft: kein Bankkonto, kein Einkauf, kein Tanken, keine Bahnfahrt, kein Arzttermin, kein Pass, kein Führungszeugnis, kein Eintritt beim Konzert, Schwimmbad oder Freizeitpark, auch kein Arbeitsalltag mehr ohne die digitalen Gerätschaften. Permanent fordern uns die Maschinen zu unserer Selbstoptimierung auf (und das, ohne dass uns klar ist, wie die Algorithmen dazu kommen, dass und wo wir uns optimieren können/ sollten). Noch Am Ende lauert das soziale Punktekonto (siehe China): wer „verdient“ noch einen Arbeitsplatz – und wer ist ein potentielles „Risiko“? Sich vom Gedanken zu verabschieden, das ganze Leben nach Effizienzmaßstäben zu organisieren – wie es der Neoliberalismus seit Jahrzehnten den Menschen einbläut – wäre ein erster Schritt der inneren Verweigerung, des Dissens. Denn der Digitalzwang macht aus Menschen abhängige Untertanen, grenzt Menschen aus (wenn sie daran nicht teilhaben können oder wollen), und es entmündigt, weil scheinbar „objektive“ Ergebnisse tafelfertig serviert werden, ohne noch selbst abwägen zu können (weil dies immer mehr verlernt wird und die Maschinen dahin konditionieren, immer schneller immer mehr Entscheidungen treffen zu sollen).
  7. Im Digitalzwang äußert sich ein totalitäres Moment: wer nicht mitmacht, existiert nicht mehr für die Mitmenschen, beraubt sich seiner sozio-ökonomischen Existenzmöglichkeiten – ein fundamentaler Unterschied zu bisherigen Technologien: so kann ich an einer Gesellschaft auch teilhaben wenn ich mich z.B. weigere, Auto zu fahren. Bisher konnte man aufs Fernsehen oder Telefonieren verzichten, auch aufs Handy und selbst noch aufs Smartphone. In der KI-Gesellschaft ist Nichtmitmachen dagegen nahezu unmöglich.
  8. Die bereits bestehende Medienabhängigkeit wird abermals gesteigert: nach pausenlosem Social Media-Entertainment – samt dem beständigen Gefühl, womöglich etwas zu verpassen und umgehend auf alles reagieren zu wollen oder sollen – gerät menschliches Miteinander immer mehr ins Abseits. Schon jetzt belegen Studien, wie sehr die zwischenmenschliche Empathie heute schon abnimmt -, was sich verstärkt, wenn wir uns zum Arm der Maschinen machen. Auch die Konzentrationsfähigkeit und das Denken in Zusammenhängen nehmen schon jetzt nachweislich ab.
  9. Die KI animiert dazu, auf eigenständiges Denken zu verzichten. Wie kann sich eine Gesellschaft noch weiterentwickeln, wenn Neugierde, Offenheit, Kreativität, Empathie und Idealismus aus ihr herausgestrichen werden? Wie kann ich der KI ein Feedback geben, wenn ich Vorschläge zu einem von ihr verfassten Text habe? Was bedeutet diese alle Lebensbereiche – selbst die intimsten – durchdringende Technisierung also für selbst elementarste soziale Umgangsweisen, wie wir sie (noch!) kennen? Was hat es für kulturelle Folgen, wenn nur noch die KI die Musik, die unser Leben begleitet, komponiert?
  10. Wie lassen sich künftig noch Realität und Fake auseinanderhalten? Immer mehr Bilder, Video, Bekennerschreiben und vieles anderes sind KI-animiert bzw- -manipuliert, immer die maximale Emotionalisierung, d.h. Aufmerksamkeit im Blick. Für eine Gesellschaft, die ohnehin schon voller Misstrauen ist, ist diese Entwicklung ein Brandbeschleuniger: Kälte, Hysterie, allgegenwärtiger Hass und Misstrauen potenzieren sich. Eine Folge der Verunsicherungen, manipulierten Provokationen und Fakes in einer ohnehin erhitzten globalen Welt ist außerdem eine zunehmende Kriegsgefahr.
  11. Die KI ist a-historisch. Mit ihr soll nicht nur eine neue Welt geschaffen werden, sondern jegliche Erinnerung an die alte Welt ausgelöscht werden. Denn schon jetzt ist es ein riesiges Problem, angesichts immer schneller rotierender technischer Medien Daten zu erhalten. Ein grandioser menschheitsgeschichtlicher Rückschritt: Höhlenmalereien sind nach Jahrtausenden noch sichtbar, Schriftrollen noch nach 2.000 Jahren zu entziffern, Bücher noch nach Jahrhunderten lesbar (und wenn eine Seite fehlt ist der Rest vielleicht noch aus dem Kontext rekonstruierbar). Nun aber sind bereits wenige Jahrzehnte ein Problem: wie lassen sich noch Magnetbänder und Disketten lesen? Ja, wer weiß überhaupt noch, was das ist? Die Folgen dieser technologischen Kurzlebigkeit für Wissenskulturen sind enorm: wie lässt sich so voneinander lernen? Wie Erinnerung bewahren?
  12. Das Spektakel der KI-Technokraten soll scheinbar die Menschheit zu Opfern der eigenen Bequemlichkeit machen – zugegeben. Ist ja auch manchmal verlockend, mal eben die KI einen Text übersetzen oder schreiben zu lassen. Aber keiner aus der Tech-Elite hat die Intention, das Leben für die Masse wirklich bequemer zu machen (was ja an sich löblich wäre). Hinter den KI-Visionen lauert vielmehr eine brandgefährliche Dystopie, die sich mit Visionen wie dem Transhumanismus verbindet – was ein eigenes Thema wäre.
  13. Vermittelt wird uns von den Techn-Milliardären ein Welt-Wunsch-Trugbild, wie es verzerrter nicht sein könnte. Milliarden von Menschen nehmen die Außenwelt nur noch durch einen verzerrten Schleier wahr. Das führt erstens zur Entfremdung von den realen Mitmenschen, zweitens zur Ausblendung der realen Welt mit ihren Konflikten (Klimazerstörung, Hunger, Armut, Ungerechtigkeit werden auf dem Touchscreen einfach weggewischt – und macht die Menschen vor allem drittens nicht glücklicher. Denn die von Milliardären vorgelebte Welt funktiniert eben nur für ein paar Handvoll Menschen. Nicht jede/r kann eine eigene Insel besitzen – es gibt nämlich keine acht Milliarden davon. Und wenn alle zum Mars flögen gäbe es da auch schnell Wohnraummangel… Und ob Cybersex anstelle dem Begehren realer Menschen – und der Auseinandersetzung mit diesen – wirklich zufriedener macht?
  14. Kleiner fun fact zum Abschluss: sich auf die Entscheidungen einer KI zu verlassen anstatt selbst zu recherchieren, ja gar zu lesen, macht dumm. Ein illustratives Beispiel ist dafür der bekennende Bücherhasser Donald Trump mit seinen Tech-Bros, der Grönland kaufen will – es aber beständig mit Island verwechselt… „Die Siege der Wissenschaft scheinen erkauft durch Verlust an Charakter. All unser Erfinden und Fortschritt läuft darauf hinaus, dass sie materielle Kräfte mit geistigem Leben ausstatten und das menschliche Leben zu einer materiellen Kraft verdummen“. Das liest sich wie ein aktueller Kommentar – ist aber aus einer Rede von Karl Marx, die dieser im Jahr 1856 hielt!
  15. Um nicht missverstanden zu werden: der Verzicht auf (a-)soziale Medien und KI bedeutet nicht zwangsläufig den Totalrückzug aus der digitalen Zeit: es gibt schließlich Webseiten, Blogs, Podcasts, Newsletter, und damit sind reichlich Möglichkeiten vorhanden, Öffentlichkeit zu erreichen und zu kommunizieren, ohne die Tech-Giganten mit ihren zynischen, dystopischen Vorhaben weiter zu bestärken und zu bereichern.
  16. Kurzum: wer bei der KI-Offensive nicht mitmacht, ist kein „Verhinderer“ oder „Blockierer“, sondern einfach nur: vernünftig. Die Verweigerung ist ein Akt des Selbstschutzes, der Selbstverteidigung. noch ist es Zeit, „Nein!“ zu sagen, gegen Ausgrenzung, Digitalzwang und die Entmündigungen durch die „KI“– und ebenso vernehmlich „Ja!“: zu einer sozialen und empathischen Gesellschaft, zu analogen Alternativen, zu einer Gesellschaft ohne Überwachung und Ausgrenzung. Demnächst vielleicht mal mehr dazu…

Was gibt es sonst?

Schon mal vormerken: auf der nächsten „Anarchistischen Buchmesse“ in Mannheim wird wieder Der Ziegelbrenner mit einem Stand dabei sein!

Der Siegener Buchladen „Bücherkiste“ hat ein hübsches Buch zum 50jährigen Jubiläum publiziert  – nachahmenswert. Einer der zeitweiligen Mitarbeiter nennt übrigens „Spassguerrilla“ als sein Lieblingsbuch (S.34), was mich, da ich selbst bei dieser Buchausgabe involviert war, natürlich besonders freut!

Mehr Licht, das ist nicht immer: mehr Erkenntnis. Zumal, wenn das Licht nicht der Lektüre anregender Bücher oder der Teilnahme an erkenntnisbringenden Debatten entstammt, also keine Erhellung der Hirnaktivitäten mit sich bringt, sondern aus flackernden Neonreklamen kommt. Lichtverschmutzung führt zu Schlafstörungen, chronischen Erkrankungen, visueller Reizüberflutung und somit Stress, einem Schwund der Artenvielfalt bei Tieren – einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hat die Werbewirtschaft mit ihren Leuchtreklamen. In Berlin versucht die Initiative berlin-werbefrei.de jetzt, mit einem Volksbegehren gegen die allgegenwärtige Werbung anzugehen. Der Senat trickste zunächst: die Mindereinnahmen der privaten Werbewirtschaft wurden widerrechtlich in die amtliche Kostenschätzung einbezogen. Da diese Mindereinnahmen mehr als 80 Prozent der Gesamtsumme der veranschlagten Kosten ausmachten, war das Ziel klar: mit der so veröffentlichten enormen Summe sollten die tagtäglich neu auf „Sparzwang“ eingeschworenen BürgerInnen von einer Unterstützung des Volksbegehrens abgehalten werden. Dem allerdings hat nun immerhin der Berliner Verfassungsgerichtshof den Riegel vorgeschoben.-

Die Anarchistische Bibliothek Wien braucht Spenden. Sie schreibt: „Aufgrund steigender Kosten (Gas, Strom, Server und Betriebskosten) fehlen uns 2026 voraussichtlich 4.000€. Deine Spende hilft uns dabei, unsere Arbeit weiter fortsetzen zu können… Seit über 15 Jahren sammeln und analysieren wir alles, was die anarchistische Bewegung selbst ab 1848 publizierte und viel mehr. Die Anarchistische Bibliothek ist mittlerweile das umfangreichste, öffentlich zugängliche Archiv zum Thema Anarchismus. Wir arbeiten für alle, die sich auf einer anarchistischen, bildungspolitischen oder wissenschaftlichen Ebene mit der libertären Bewegung beschäftigen und in ihr engagieren… Wenn du uns nicht nur einmalig, sondern dauerhaft unterstützen willst, dann werde doch A-Bib-Unterstützer*in. Dauerhafte Spenden sichern den Erhalt des Archivs sowie unserer Arbeit langfristig und erleichtern unsere Finanzplanung.“

Spendenkonto: Verein zur Förderung libertärer Bibliotheks- und Archivkultur, IBAN: AT78 1400 0108 1000 0703

Auch für den Ziegelbrenner gilt: selten war ein emanzipatorisches Mediensortiment so wichtig wie gerade heute. Werde auch Du Teil des Ziegelbrenner-Netzwerks, damit wir gemeinsam auch in Zukunft kraftvoll zubeißen können – am einfachsten mit einer einmaligen oder regelmäßigen Spende, die ganz einfach auch via PayPal geleistet werden kann.

Es grüßt

Der Ziegelbrenner

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