Der Ziegelbrenner
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ungelesen/ Neubuch. Zweites Heft der auf vier Hefte angelegten Ausgabe. Der Bezug schon im Titel ist deutlich: das „Wörterbuch des Unmenschen“, verfasst von Dolf Sternberger, Gerhard Storz und Wilhelm E. Süskind und 1957 veröffentlicht, enthielt eine Sammlung von Begriffen, die in Deutschland von den Nationalsozialisten — und ihren Handlangern in den Institutionen und Medien — verwendet wurden, um die NS-Ideologie zu verbreiten und das Staatsvolk auf eine gemeinsame weltanschauliche Linie zu bringen. Die Beiträge sind von eher lexikalischer Kürze, manchem der Stichworte (in diesem Heft u.a. Identitätspolitik, Infesktionsschutzgesetz, Impfpflicht, Inklusio, Innere Sicherheit, Integration, Internationalismus, Islamismus, Kriegswirtschaft, Kulturimperialismus – Imperialismus als eigenständiges Stichwort fehlt seltsamerweise – , Künstliche Intelligenz, Linksextremismus, Lobbyarbeit, Medienfreiheit, Migration, Militärisch-industrieller Komplex, Militarismus, Nürnberger Kodex) hätte man mehr Platz gewünscht. Aber das ist wenig erstaunlich, schließlich kann jeder dieser Begriffe ganze Bücher füllen, und so ist gerade diese Kürze, die Verdichtung auf die Essenz, Bauers Kunst. Meist gelingt diese Verknappung und Reduzierung auf das Wesentliche ganz gut. Ein scheinbar hilfreiches Instrument wie die „Leichte Sprache“ entlarvt Bauer korrekterweise als Sprach- und Denkverstümmelung, da ein sprachförderndes Schul- und Bildungssystem so eingespart wird. Weniger gelungen sind die Einträge rund um das Klima bzw. die Klimakatastrophe, da der Autor hier die Dramatik der globalen Erwärmung verkennt und in den Diskursen dazu nur Herrschaftsstrategien sieht, anstatt die wissenschaftlichen Fakten für eine grundsätzlich staats- und kapitalismuskritische Perspektive zu nutzen. Das Stichwort „Menschengemacht“ verweist dann schon eher auf das Anliegen des Autors: hier wird nicht unterschieden zwischen Menschen, die schon aus monetären Gründen oft wenig Wahlfreiheiten haben in ihrem Handeln, und den Profiteuren von Krisen. Warum das No Border Netzwerk kurzerhand als „grenzenlos unbedarft“ abgestempelt wird, bleibt allerdings unklar.
sehr guter Zustand, 100 S., Klammerheftung
Bauer Rudolph
Bergkamen
2024
978-3-88515-370-2
pad-Verlag