Ebeling Lea

Hoffen, wenn die Welt schmerzt – Ein ethnografischer Comic über dekoloniale und antikapitalistische Zukünfte

19,80

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Beschreibung

ungelesen/ Neubuch. Im Rahmen ihrer Masterarbeit zu dekolonialen und antikapitalistischen Zukunftsvorstellungen führte die Autorin auch einige Interviews mit AktivistInnen durch. Die Gespräche und Gedanken flossen in diese Graphic Novel ein. Die Inhalte sind unterteilt in die Kapitel: Das Gewicht der Welt – Weltschmerz und kapitalistischer Realismus; Die Zukunft im Jetzt – Von der Relevanz der Vorstellungskraft; Huren, Hausfrauen und historische Subjekte – Rationalität und das kapitalistisch-patriarchale Akkumulationsmodell; Vom Nirgendwo, Nicht-Orten und Welten ohne Grenzen – Utopie als Kolonialfantasie; Aber was, wenn alles allen gehört? Evolutionstheorie und kapitalistische Ideologie; Von guten Menschen, guten Gurken und falscher Moral – Privilegien und Scham; Ich bin auch wir – Kollektive Freiheit, Gemeinschaft und transformative Gerechtigkeit; Vom Hoffen, Streben und der Kraft der Fantasie – Klassismus und Imagination; Grüne Stadt, digitale Zukunft, ausgebeutetes Land – Klimawandel, technologischer Fortschritt und digitaler Kolonialismus; Hoffen bis zum Horizont und darüber hinaus – Dekolonisierung und vielfältige Zukünfte. Bedauerlich ist, dass die Autorin und zugleich Illustratorin zwar betont, wie wichtig es ist, sich eine andere Zukunft überhaupt erst einmal vorstellen zu können, andereseits Utopien jedoch pauschal verwirft. Zwar tragen viele klassische Utopien in der Tat kolonialistische Züge und die Suche nach der „perfekten Welt“ hat in sich dann meistdogmatische, totalitäre Züge. Jedoch gibt es eben auch die Utopien, die keineswegs eine abgeschlossene Welt denken, sondern sich als work-in-progress verstehen, doch scheint die Autorin diese nicht zu kennen (zumindest tauchen sie nicht im Literaturverzeichnis auf): Werke wie „Kunde von Nirgendwo“ (William Morris), „Ökotopia“ (Ernest Callenbach), „bolo´bolo“ (P.M.), „Planet des Ungehorsams“ Eric F. Russell) oder der Science Fiction-Klassiker „Planet der Habenichtse“ (Ursula K. LeGuin) liefern viele Stichworte für utopische Ansätze in Richtung freiheitlicher, ökologischer und dezentraler Gesellschaftsentwürfe, ohne ein konfliktfreies Wolckenkuckucksheim zu versprechen. Dies aufgrund eines rein negativen Utopieverständnisses zu ignorieren bedeutet letztlich, einem konservativen Denkverbot zu unterliegen. In der Konsequenz fällt beispielsweise auch das Kapitel zur Digitalisierung recht oberflächlich aus und ist weit entfernt von einer differenzierten technologiekritischen Analyse. Die Brisanz einer (in der Tat totalitären!) KI-„Revolution“ wird beispielsweise nicht thematisiert. So ist das Buch inhaltlich teilweise auf der einen Seite recht halbgar, bietet andereseits aber auch einige Denkanregungen und ist – was besonders hervorzuheben ist, gerade mit Blick auf viele in dieser Hinsicht problematische Utopien wie auch technokratische Visionen, um nicht zu sagen Dystopien – alles andere als eurozentristisch. (Gerald Grüneklee)

Zusätzliche Information

Gewicht 600 g
Zustand

222 S., kart.

Autor

Erscheinungsort

Münster

Erscheinungsjahr

2026

ISBN/ISSN-Nummer

978-3-89771-459-5

Verlag