Winter Max

Die lebende Mumie – Ein Blick in das Jahr 2025

15,00

Vorrätig

Beschreibung

Einziger Roman Winters. Das Buch, das erstmals 1929 in Berlin veröffentlicht wurde, handelt von einem Mann, der 1925 in einen Tiefschlaf verfällt und erst 100 Jahre später wieder aufwacht – in einer Welt ohne Hunger, Not und Unterdrückung. „Es gibt keine Kriege, keinen Kapitalismus, keine Bettler und Arbeitslosen mehr, die Kirchen sind in Volkshallen umgewandelt und nach Helden der Aufklärung oder der Arbeiterbewegung benannt (der Petersdom in Rom nach Giordano Bruno, der Wiener Stephansdom nach Victor Adler, Kathedralen in Berlin, Prag, Paris nach Rosa Luxemburg, Jan Hus, Jean Jaurès), die Priester umgeschult und von sozialdemokratischen Predigern abgelöst worden, aus Krankenhäusern sind Gesundungsheime, aus Hotels Gästehäuser geworden“ (Erich Hackl in einer Rezension). Auch die Tyrannei der Mode (damals, 1925, noch Krawatten & Korsetts) ist nun abgeschafft. Städtebaulich ist nun umfassender umgesetzt, was im „roten Wien“ der 1920er Jahre seinen Anfang nahm. Bemerkenswert sind Details, die Winter für die Zukunft ausmalt: ein „vereintes Europa“ und „Fernsehapparate in den Wohnzimmern“, zudem sind bemannte Drohnen („Lufttaxis“) ein viel genutztes Verkehrsmittel. Bemerkenswert positiv für einen Marxisten ist Winters Blick auf den Anarchismus, wie in einem Kapitel deutlich wird. Winter (1870-1937) gilt als Schöpfer der Sozialreportage im deutschsprachigen Raum. Er war Mitglied der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller, als Sozialdemokrat im Wiener Gemeinderat, in der Kinderfreunde-Bewegung aktiv – so ist vorliegendes Buch von reformpädagogischen Gedanken u.a. von Maria Montessori inspiriert – und wurde 1925 Präsident der Sozialistischen Erziehungs-Internationale. Um möglichst realistische Reportagen für die Arbeiter-Zeitung – zu der ihn Victor Adler geholt hatte – schreiben zu können, verkleidete er sich u.a. als Obdachloser. „Der Sozialismus hat in allen Lebensbereichen gesiegt, es herrscht Planwirtschaft und es gibt kein Privateigentum mehr. Die Landwirtschaft ist in großen, Kolchosen ähnlichen Betrieben organisiert, die Nahrungsversorgung erfolgt über Gemeinschaftsküchen. Das Geld ist generell abgeschafft, stattdessen gibt es – je nach Wohlverhalten – Scheckhefte, über deren Verwendung öffentlich Rechenschaft abgelegt werden muss“ (flaneurin.at) – letzteres zeigt schon die Zwiespältigkeit dieser Utopie, die (für jene Zeit im linken Spektrum nicht ungewöhnlich) auch eugenisches Gedankengut vertritt. „Max Winters Roman zeigt neben interessanten sozialutopischen Ideen somit auch, wie sehr sich die Begriffe von links und rechts als Verortung von ideologischen Positionen immer wieder relativieren können. Manche Ideen des gemeinhin als prononciert links gesehenen Autors erinnern fatal an repressive faschistische Tendenzen und zeigen damit auch, wie Teile der links geschulten Arbeiterschaft anfällig gegenüber rechten Ideologien sein konnten.“ (flaneurin.at). Wolfgang Both geht in seinem Buch „Rote Blaupausen – Eine kurze Geschichte der sozialistischen Utopien“ (erw. Neuausgabe Berlin 2020) auch auf „Die lebende Mumie“ ein. Diese Sozialutopie kann dabei stilistisch auch mit dem Werk „Looking Backward“ von Edward Bellamy verglichen werden, das 1888 erstmals erschien.

Zusätzliche Information

Gewicht 600 g
Zustand

sehr guter Zustand, 212 S., kart.

Auflage

Neuausgabe

Autor

Erscheinungsort

Graz

Erscheinungsjahr

2019

ISBN/ISSN-Nummer

978-3-903241-63-3

Verlag