Einundsiebzigster Einwurf des Ziegelbrenners

Der „Weimer muss weg“-Einwurf

Liebe lesende Gemeinde,

neulich in der Bahn: eine Frau fragt ihr Gegenüber: “hast Du schon die Sache mit dem Buchhandelspreis gehört?“. Ja, man muss Wolfram Robert Wilhelm Weimer, der sich mit dem Titel „Kulturstaatsminister“ schmücken darf, geradezu dankbar sein: der Buchhandel ist – endlich einmal wieder! – in aller Munde, und zudem ist diese Branche eng zusammengerückt gegen einen Menschen, der genau dies gerade nicht wollte.

Was war geschehen? Seit 2015 wird der Deutsche Buchhandelspreis vergeben. „Noch ein Preis“, könnte man sagen, wo es im Kulturbereich vor Preisen nur so wimmelt. Doch einer vielfach ökonomisch prekären, jedoch kulturell bedeutsamen Branche mehr Sichtbarkeit zu geben und die Bemühungen vieler unabhängiger Buchläden um eine sorgfältige Buchauswahl, ihre vielfältigen Veranstaltungen rund ums Buch und ihre Rolle als kulturelle Orte zu würdigen, dies ist Grund genug für diesen Preis: ja, er ist sinnvoll! Nun hat allerdings der Kulturstaatsminister erstmals mit dem sogenannten „Haber-Verfahren“ (einer 2004 erstmals vom Ex-RAF-Anwalt und späterem Innenminister angewendeten Anfrage zur Überprüfung öffentlich geförderter Projekte beim Verfassungsschutz) herausgefunden, dass drei der von einer unabhängigen Jury ausgezeichneten Läden „bedenklich“ sind und eine nachträgliche Streichung von diesem Preis durchgesetzt, somit auch die besagte Jury übergangen.

Es sind dies der nach seinem einstigen Standort benannte „Buchladen Rote Straße“ (der meine eigenen politische Sozialisation in den 1980er Jahren entscheidend beförderte, seit vielen Jahren ist der Laden zugleich lokaler Standort der ehemals gewerkschaftlichen „Büchergilde Gutenberg“), der sympathische „Golden Shop“ in Bremen sowie  der „Buchladen zur schwankenden Weltkugel“ in Berlin, ein Ableger des mir ebenfalls gut bekannten Buchladen „Schwarze Risse“, welcher seinerseits lange Jahre mit dem im Volksmund „Roter Buchladen“ genannten Göttinger Buchladen verlegerisch kooperierte. Es liegt im Wesen der Staatschutz-Geheimniskrämerei, dass die ominösen „Erkenntnisse“ gegen diese Buchläden nicht benannt und entsprechend auch nicht überprüft werden können. Schäbig auch die dreiste Lüge Weimers, der zunächst behauptete, die drei Buchläden seien von der Jury gar nicht ausgezeichnet worden.

Mit seiner Entscheidung begeht Weimer einen massiven Eingriff in die Meinungsvielfalt, die gerade für den Buchhandel immer essentiell war: offene Diskurse, politische Debatten, gesellschaftliche Diversität, das Einsetzen für eine inklusive, emanzipatorische Kultur, das ist geradezu der Nährboden für eine lebendige Buchkultur. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die oberste Interessenvertretung von Verlagen und Buchhandlungen, kritisierte Weimers Vorgehen denn auch scharf: „Die Würdigung der kulturellen Leistung einer Buchhandlung von einer etwaigen politischen Ausrichtung ihres Sortiments abhängig zu machen, lehnen wir grundsätzlich ab“. Bremens Bürgermeister ließ in einer Presseerklärung verlauten: „Der Schutz der Kunstfreiheit ist ein verfassungsrechtliches hohes Gut, welches es entschieden zu schützen gilt. Augenscheinlich gab es nicht mal eine Information, geschweige denn eine Anhörung der Betroffenen. Das ist nicht akzeptabel“ (das in Bremen gerade ein psychisch labiler Mensch als V-Mann enttarnt wurde, der jahrelang das linke Milieu bis weit in zivilgesellschaftliche Strukturen hinein ausspähte, sei hier wenigstens am Rande vermerkt). Viele Kommentare in den Medien wiesen zudem darauf hin, dass Weimer sich als vermeintlicher Vertreter von Kultur in die fatale Linie der rechten Un-Kultur US-amerikanischer „schwarzer Listen“ stellt („Book banned“). Der Schriftsellerverband PEN Deutschland fordert denn auch: „Wehret den Anfängen – ansonsten werden wir im Handumdrehen amerikanische Zustände haben“. Man muss zu dem Haber-Verfahren auch wissen, dass bereits 2019/ 2020 der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages wie auch die Bundesbeauftragte für den. Datenschutz und die Informationsfreiheit dieses kritikwürdige Vorgehen als verfassungsrechtlich bedenklich bzw. datenschutzrechtswidrig beurteilten.

Es ist kennzeichnend für rechte Strategien, dass sie sich als „unpolitisch“ ausgeben. So äußerte Weimer wiederholt, dass Kultur kein geeigneter Austragungsort für linke oder rechte Politik sei – was einerseits ein antiquiertes Kulturverständnis offenbart, zudem aber auch schlicht verlogen ist, da Weimer wie keiner seiner Vorgänger für ein reaktionäres rechtes Weltbild steht. So ist der formal parteilose Weimer ein Freund von Friedrich Merz, Verfasser eines „konservativen Manifests“, Gründer des spätestens seit 2012 immer stärker nach rechts gerückten Magazins „Cicero“. Weimer ist mit seinen flüchtlingspolitischen – bzw. flüchtlingsabwehrenden – Positionen Gegner einer offenen Gesellschaft, er ist Vertreter eines restaurativen Geschlechter- und Familienbildes (Familie ist ihm ein „Vaterland des Herzens“), er ist ein sogenannter Klimaskeptiker, der seinen Kulturbegriff mit Nationalismus bzw. Patriotismus auflädt („Der Konservative ist Patriot, der Konservative steht zum gefühlten Vaterland wie zur Muttersprache, der Konservative fühlt das Abendland als Heimat“). Angesichts dieses Hintergrundes ist es eine verbale Blendgranate, wenn Weimer gegenüber dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels verlauten lässt, sein Vorgehen entspräche „der politischen Linie der Bundesregierung, Extremismus in jeder Form entschlossen und konsequent zu begegnen. Das gelte für Rechtsextremismus wie Linksextremismus“.

Der Schriftsteller Rafik Schami bemerkte „Es ist widerlich, wie man mit einer unnachahmlichen Penetranz Tür und Tor für die Rechtsradikalen öffnet, indem ein Minister Weimer und seine Verfassungsschützer Buchhandlung öffentlich bestrafen, weil sie links stehen“. Weimer bestärkt damit – man darf annehmen: durchaus bewusst, denn so viel Intelligenz muss man ihm zubilligen – die AfD: Er steht damit Seite an Seite mit Kanzler Merz, Jens Spahn, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (die ebenfalls vorgeblich rechts und links gleichsetzt, während sie faktisch rechte Ideologeme bedient) Reiche und „Bildungsministerin“ Karin Prien, deren Programm – gerade will sie Demokratieprojekten den Geldhahn zudrehen – es rechtfertigt, ihren Titel fortan nur noch in Gänsefüßchen zu nennen. Allesamt stärken sie nach Kräften die AfD:  „Staatliche Förderpreise dürfen nicht dazu beitragen, politisch extremistische Milieus zu legitimieren oder finanziell zu stärken“, so denn auch deren kulturpolitischer Sprecher – es wäre lustig, wenn es nicht so ernst wäre: die AfD spricht sich gegen Extremismus aus. Aber extremistisch ist eben immer nur der politische Gegner.

Weimer befeuert mit seinem Agieren einen stramm rechten Kulturkampf, wohingegen eine umfassende Berliner Studie (zeitgleich zu Weimers Entscheidung) zu politischen Einstellungen gerade eindrucksvoll die „links=rechts“-Theorie zerlegte: Es sind die Rechten und Rechtsextremen, die die Demokratie bedrohen. Verteidigt wird sie hingegen am verlässlichsten von jenen, die sich im politischen Spektrum am weitesten links verorten. Die Befunde der Studie sind mehr als erschreckend: Etwa stimmen fast 50 Prozent der Berliner*innen der Aussage teilweise oder ganz zu, dass Deutschland „eine einzige starke Partei“ brauche, „die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. Mehr als 65 Prozent der Berliner*innen wollen ganz oder teilweise „endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl haben“ und 50 Prozent stimmen ganz oder teilweise zu, dass Deutschland „durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“ sei (taz, 23.2.2026. Gegen diese gefährlichen Entwicklungen engagieren sich nicht zuletzt die drei Buchläden, denen nun der Preis aberkannt wurde. Und genau in diesem Kontext ist Weimers Agieren einzuordnen, deshalb: Weimer muss weg!

Jedoch, wie ich eingangs sagte, man muss dem Kulturkampfminister Weimer regelrecht dankbar sein. Die Branche hat nun die Gelegenheit, zu zeigen, dass sie sich nicht spalten lässt. „Wir sind bereit, unsere betroffenen Kolleg*innen in jedweder Hinsicht zu unterstützen“, so äußerten sich Frankfurter Buchläden. Das gemeinsame Statement der 118 zum Buchhandelspreis nominierten Buchläden (inkl. der drei ausgeschlossenen Läden) spricht eine klare Sprache: „Für uns alle unfassbar strich Kulturstaatsminister Weimer 3 Buchhandlungen aus der Liste der Nominierten. Sie zeichnen sich durch ein Sortiment aus, das Themen wie Antikapitalismus, Feminismus und antikoloniales Denken umfasst. Wir protestieren entschieden gegen diese Streichung und erklären hiermit deutlich unsere Solidarität mit den ausgeschlossenen Buchhandlungen“. Mehr als die Hälfte der nominierten Buchläden erklärte sich bei einem ersten spontanen Rundruf bereit, Geld an ein Spendenkonto zu überweisen, um den drei Buchhandlungen das Preisgeld zu ersetzen. Der Berliner Landesverband des Börsenvereins betont: „Wir zeigen Gesinnungsschnüffelei die Rote Karte und fordern den Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien auf, seiner Aufgabe als Förderer der Kultur gerecht zu werden und nicht als Kulturkämpfer zu agieren“.

Nachdem mehrere der mit dem Buchhandelspreis ausgezeichneten Buchläden öffentlich äußerten, nicht zur Preisverleihung nach Leipzig am 19.3. kommen zu wollen (und andere explizit die drei ausgeschlossenen Buchläden zum Kommen einluden), entschloss sich der feige Kulturstaatsminister, die öffentliche Verleihung abzusagen und den ausgezeichneten Buchhandlungen Preisgeld und Urkunde direkt zuzusenden – wohl. um eine absehbare öffentliche Blamage für ihn zu vermeiden. Das er nun bis auf die Eröffnung alle Termine bei der Leipziger Buchmesse absagte und regelrecht abtaucht, als Kulturstaatsminister also eines der beiden Buch-Großevents des Jahres fast vollkommen meidet, zeigt schon, dass Weimer zumindest für die Buch-Welt als Minister vollkommen untragbar geworden ist.

Die Kampagne „Lesen hilft“ will ebenfalls – wie die Sammlung unter den ausgezeichneten Buchläden) die drei Buchläden unterstützen. Denn das Preisgeld (je 7.000 Euro, für besonders herausragende Buchhandlungen je 15.000 Euro) bedeutet angesichts der prekären Situation vieler Buchläden eine Menge oft bitter nötiges Geld. Die Kampagne „Lesen hilft“ erinnert in ihrem Aufruf daran, dass Buchläden – nicht zuletzt die drei vom Buchhandelspreis ausgeschlossenen – Orte der Begegnung, Räume für Diskussion und Debatte, Treffpunkte für Literatur und kritisches Denken und Teil einer lebendigen demokratischen Öffentlichkeit sind. Eben dies ist Weimer ein Dorn im Auge. Ach ja, der Unkultur-Staatsminister legte noch nach: im März 2026 wurde seine Entscheidung bekannt, den seit 2018 geplanten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek am Standort Leipzig nicht zu bauen. Als Grund nannte Weimer, das Sammeln physischer Werke sei „nicht mehr zeitgemäß“. Doch längst geht es – und auch dafür darf man Weimer ironischerweise dankbar sein – um Grundsätzlicheres: um die Autonomie der Kultur und die Bewahrung kultureller Vielfalt, um den Kampf gegen rechte Hegemoniebestrebungen und um offene Debatten um eine widerständige Kultur.

Was gibt es sonst noch??

Dein Corona-Buch ist sehr gut geschrieben und recherchiert“, so ein Leserkommentar zu meinem letzten Corona-Buch. Dennoch hat es ein solches Buch in einem Kleinstverlag schwer. Ich freue mich entsprechend über Menschen, die Rezensionen schreiben und veröffentlichen können oder den örtlichen Buchhandel oder auch die Stadt- und Uni-Bibliotheken auf das Buch hinweisen. Kritik kommt natürlich von jenen, die das Buch gar nicht gelesen haben: „da ist es zu Chemtrails und Holocaustleugnung auch nicht mehr weit“. Naja, lesen hilft, aber wer zum Sklavenaufseher seiner selbst geworden ist und jahrelang eintrainierte Verhaltensweisen nicht aufgeben will, wird natürlich nicht zu diesem Buch greifen und lieber absurde weiter Phrasen dreschen.

Neues Jahr, neuer Krieg. Nun ists der Iran. Jene, die sich verständlicherweise eine Befreiung vom Mullah-Regime erhoffen, werden allerdings bitter enttäuscht werden. Die USA greifen schließlich nicht militärisch ein, um einen Regimewechsel zu ermöglichen (dafür ist Militär in der Regel auch das falsche Mittel), der Zeitpunkt war nur günstig gewählt, um Zugriff aufs Öl zu erhalten, mit einem US-hörigen Regime. Ein Totalitarismus wird durch einen anderen ersetzt werden – dies zu erkennen, dazu braucht es keine Kaffeesatzleserei. Kleine Erinnerungshilfe: auch 2001 in Afghanistan ging es vorgeblich um eine Befreiung der Frauen – wir sehen, was daraus geworden ist. Wir sehen auch, was aus Libyen oder dem Irak geworden ist. Krieg gewonnen, Frieden verloren, das ist die Perspektive. Krieg wird nur das Elend potenzieren, und das nachhaltig. Am allerwenigsten wird die kurdische Bevölkerung der Region profitieren, die vom auserkorenen Reza Pahlevi, der voraussichtlich als neuer Machthaber installiert werden soll (allein darauf muss man erst einmal kommen!), schon jetzt des Separatismus bezichtigt wird. Bin ich nun auch noch ein Mullahversteher? Meiner antimilitaristischen Position, die ich schon in meinem Ukraine-Buch formulierte (was mir den so absurden wie haltlosen Vorwurf des „Putinverstehers“ einbrachte) habe ich insofern wenig hinzuzufügen.

Die Epstein-Akten offenbaren die widerwärtige Kooperation einer globalen, gut vernetzten Elite, gegen deren zynisches, menschenverachtendes Agieren sich zu stellen es auch noch reichlich weitere Gründe gibt. Sie zeugen von einem organisierten Angriff auf die Frauen durch ein Patriarchat (das nicht weniger patriarchal dadurch wird, dass daran auch Frauen aktiv mitwirken). Gertraud Klemm bezeichnet das Patriarchat in ihrem Buch „Abschied vom Phallozän“ als „fatalen Programmierfehler… Seine Superkraft ist der Missbrauch, sein Vermächtnis ist die Zerstörung“. Ich werde das Buch demnächst auch in meinen Shop aufnehmen, per Mail bestellbar ist es natürlich schon jetzt bei mir. Ich weise auch auf meine weiteren Titel der Rubrik Frauenbewegung hin.

Relevant wie eh und je ist Klaus Theweleits Buch „Männerphantasien“, ein Klassiker über die Ursprünge des Nationalsozialismus, der nicht zuletzt den psychologischen Grundlagen gewalttätiger Männlichkeit nachgeht. „Lange Zeit konnte man, was diese Männerängste zur Gewalt befeuert als gesellschaftliches Nischenphänomen betrachten. Durch die Digitalisierung, so Theweleit, haben sich diese Nischen von innen nach außen gestülpt. Alle rechtsradikalen Mörder der Gegenwart, ob im neuseeländischen Christchurch oder neulich in Halle, zeigen, etwa via Facebook, wie sie vorgehen. Sie ahmen nach und wollen Vorbild sein für Nachahmer…“ (Guido Graf im Deutschlandfunk).

Der letzte Einwurf hatte den KI-Schwerpunkt. Der oben erwähnte Angriff gegen den Iran ist nun der erste Krieg (nach dem Angriff Israels auf den Gazastreifen), in dem umfassend KI-gestützte Plattformen für die Kriegsoperation genutzt werden. Die Zielbestimmung läuft nun effizient wie nie – tausend Ziele in vierundzwanzig Stunden, nur kommt niemand mehr mit dem Überprüfen hinterher. Bittere Ironie – wo doch vorgeblich Frauenrecht unterstützt werden sollten – ist etwa der tödliche Angriff auf eine Mädchenschule.

Ein wahrer Alptraum ist die KI-Brille „Meta Glasses“ von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Die neueste Ironie ist eine App, die nun vor jenen warnen sollen, die dieses technoide Ungeheuer tragen. Mit digitalisierter Technik (struktureller Überwachungstechnologie, nichts anderes sind diese Apps zumindest potentiell) gegen die Überwachungstechnik der vermeintlich „intelligenten“, KI-basierten Gesichtserkennung? Noch mehr Überwachung gegen Überwachung? Wahrlich, ein Alptraum! Dieser wird um nichts besser, wenn man nun, um aus der „toxischen“ Abhängigkeit von US-Konzernen zu entkommen, eine „digitale Souveränität“ erlangen will. Bei manchen Produkten geht es doch eigentlich weniger darum, sie selbst zu entwickeln – man entwickelte sie besser gar nicht.

Im letzten Einwurf wies ich auf das wunderbare Buch zum 50jährigen Bestehen der Siegener Bücherkiste hin. 50 Jahre gibt es auch die saarländischen Jugendzentren in Selbstverwaltung – und auch hierzu ist ein großartiges Buch entstanden!

Mit dem beginnenden Frühling steht auch der Sommer fast schon wieder vor der Tür. Gerade die Städte erhitzen sich besonders stark. „Unter dem Pflaster liegt der Strand“, so lautete mal eine anarchistische Parole um 1980 herum, die es lohnt, wortwörtlich umzusetzen. Denn die Städte sind viel zu stark versiegelt. Dem wollen die „Asphaltknackerinnen“ abhelfen, ein Frauenzusammenschluss aus der Schweiz, das auch offen ist für Engagements in anderen Städten (bisher sind sie in Zürich, Winterthur, Bülach und dem Kanton Luzern aktiv). Für lebendige Städte – Biodiversität statt Asphalt!

Das Thema „Deutsche Wohnen enteignen“ bleibt aktuell, und diese Bewegung lässt sich auch davon nicht entmutigen, dass eine Mehrheit beim Volksentscheid von der Berliner Politik bis heute vollkommen ignoriert, respektive übergangen wurde. Die Mietwucher-App (ja, hier gibt es mal den sinnvollen Einsatz einer App) der Linken brachte unlängst an den Tag, dass zwei Drittel der überprüften Mieten in Berlin zu hoch sind. Das sollte Initiativen für eine Vergesellschaftung des Wohnens entsprechenden Nachdruck verleihen.

Der Hirnkost Verlag (Berlin) steht vor dem Aus. Hirnkost war nie ein Verlag für den Massengeschmack. Gegen die Resignation in diesen Zeiten veranstaltete der Verlag u.a. einen „Kongress der Utopien“ mit. Mit Themen wie Klimakrise, Flucht, Subkulturen und anspruchsvoller Science-Fiction (Büchern etwa des grandiosen „bolo´bolo“-Autors Hans Widmer alias P.M.) besetzte Verleger Klaus Farin Nischen, die im Mainstream oft ignoriert werden. Doch genau diese inhaltliche Konsequenz wurde zum wirtschaftlichen Verhängnis. Ein Problem dabei ist auch die fortschreitende Konzentration im Buchhandel – immer mehr vom immer Gleichen ist die Folge. Eine Tendenz, die die Bedeutung unabhängiger Buchhandlungen – wie den mit dem Deutschen Buchhandelspreis ausgezeichneten – noch einmal unterstreicht, sind diese doch die Schatz- und Schutzinseln einer pluralen Bibliodiversität. Aufgeben will Farin jedoch nicht einfach, er tritt die Flucht nach vorn an: eine Genossenschaft ist geplant. Kontakt: klaus.farin@hirnkost.de.

Auch für den Ziegelbrenner gilt: selten war ein emanzipatorisches Mediensortiment so wichtig wie gerade heute. Werde auch Du Teil des Ziegelbrenner-Netzwerks, damit wir gemeinsam auch in Zukunft kraftvoll zubeißen können – am einfachsten mit einer einmaligen oder regelmäßigen Spende, die ganz einfach auch via PayPal geleistet werden kann. Übrigens: auch das oben genannte Corona-Buch ist dank einer großzügigen Spende realisiert worden.

Es grüßt

Der Ziegelbrenner

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